Rescue-Hunde

Was gibt es Schöneres, als einem armen Rescue-Hund ein neues Zuhause zu geben ?

Rescue-Hunde

Bevorzugtes Transportmittel in die Berge oder an einsame Strände ist für diese Zwei ein Quad-Bike.

Besonders wenn das Tier in der Vergangenheit schlecht behandelt, ausge­setzt oder wegen seines problematischen Verhaltens verlassen wurde. Nachdem ich bisher eine ganze Reihe von Rescue-Hun­den in Kreta aufgenommen habe, kann ich ohne Zögern sagen, dass das sowohl für die Hunde als auch für mich ein echtes Glück war. Die Freude, die man empfindet, wenn man erlebt, wie sich so ein armes, misshandelter Wesen wieder erholt, ist einfach unbeschreiblich. Ich muss zugeben, dass es mich tief befriedigt, diesen Tieren das glückliche, zuverlässige Zuhause zu bieten, das sie so lange entbehren mussten.

Der Trend zum Rescue-Hund nimmt beständig zu. Durch das Internet ist es möglich, länder­übergreifend Informationen und Bilder von armseligen Hunden auszutauschen, die meist dem sicheren Tod gerade noch ent­kommen sind. Nicht nur erwachsene Hunde, sondern vornehmlich auch Welpen treten durch internatio­nal vernetzte Vermittlung die Reise zu den Menschen an, die diesen Vierbeinern helfen möchten, das Elend, das sie erlebt oder bes­ser überlebt haben, zu vergessen.
Insbesondere werden auf Kreta viele Welpen nach kurzer Zeit einfach ausgesetzt oder getötet, da viel Halter sich nicht in der Lage sehen, diese zu versorgen und es nur wenige, private Tierheime gibt. Die Zahl der jährlichen Welpen ist auch deswegen groß, da kaum Hunde zur Kastration oder Sterilisation zum Tierarzt gebracht werden und die unkontrollierte Vermehrung dadurch vorhersehbar ist. Auch werden viele Hunde unter unvorstellbaren Bedingungen, kurz angekettet, gehalten und müssen so ihr ganzes, kurzes Hundeleben verbringen. Artgerechte Hundehaltung, wie es in Westeuropa selbstverständlich ist, ist auf Kreta leider selten anzutreffen, wenn sich auch in letzter Zeit einiges zum besseren hin getan hat.

Ausgesetzte Welpen

Ausgesetzte Welpen auf Kreta.

Trotzdem will ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass Rescue-Hunde auch oft große Probleme mit sich bringen. Meiner Meinung nach gibt es allerdings keine Problemhunde, sondern nur Hunde bzw Hundehalter mit Problemen. Und dass Rescue-Hunde in der Regel mehr Probleme haben als andere, liegt wohl auf der Hand.
Meist ist es nicht möglich, viele Informationen zur Vergangenheit der Tiere in Erfahrung zu bringen. Oft sind diese spärlichen Informationen traurig, aber dennoch nicht aussagekräftig. Der neue Tierhalter kann zwar nachvollziehen, auf welchem Wege der Hund seinen Weg zu ihm findet, aber das, was tatsächlich wichtig ist, weiß er nicht: welche Spuren der Ver­gangenheit sich wirklich in die Seele seines neuen Schützlings tief eingegraben haben. Körperliche Verletzungen heilen deutlich schneller als seelische Wunden. Und vor allem: Sie haben keine Chance, dies von außen zu erkennen.

Das Ausmaß psychischer Verwundungen zeigt sich erst nach und nach, ebenso wie die Ver­haltensweisen, die Ihr neuer Schützling sich aufgrund dessen angeeignet hat. Bei vielen Rescue-Hunden müssen Sie damit rechnen, dass die Prägung auf den Menschen nicht optimal ab­gelaufen ist, dass er kaum in Kontakt mit Um­welteinflüssen gekommen ist, die wir hier als alltäglich empfinden. Untergründe, Gerüche, Geräusche usw., die für uns selbstverständ­lich sind, können bei ihm große Unsicherheit auslösen. Viele Hunde mussten jagen, um zu überleben. Manch gequälter Hund zeigt problematisches Verhalten, wenn er Menschen begegnet, die ihn an seine Peiniger erinnern. Auch das Wandern von Hand zu Hand, bis er bei Ihnen ankommt, begünstigt die Stabilität seines Innenlebens keineswegs.

Findet so ein Hund in seinem Menschen keine sichere Autoritätsperson im positiven Sinne, die ihm Sicherheit bietet, so dreht sich die Spirale aus Angst und Kompensationsverhalten immer weiter, in der er gefangen ist. Für den Hundehalter ist ein sol­cher Hund ein lebender Appell an seine Füh­rungsqualitäten. Kommt der Hund in ein neues Zuhause, in dem er artgerecht behan­delt wird, ist das die Chance für ihn, aus die­sem Teufelskreis herauszufinden, nach und nach Vertrauen in die Welt, die ihn umgibt, zu gewinnen und hineinzugehen in ein neues Leben, das auch der Mensch sich für ihn wünscht, seit er zum ersten Mal in seine Hundeaugen geblickt hat.

Fahrrad-Tour mit Hunden.

Fahrrad-Tour mit Hunden.

Hinterfragen Sie sich bitte vor der Anschaf­fung, ob Sie dazu in der Lage sind, Ihrem neuen Familienmitglied auch in schwierigen Situationen artgerecht zu begegnen und nicht aus falsch verstandener Tierliebe Fehler ma­chen werden. Streicheln Sie ihm z. B. bei den ersten Anzeichen der Unsicherheit liebevoll das Köpfchen und reden Sie ihm dabei gut zu, bestätigen Sie damit seine Ängste und die Annahme, dass die Welt böse sei. Das ist das Gegenteil von dem, was er braucht. Ihm ist nur dann geholfen, wenn er in Ihnen jeman­den findet, der ihm souverän zeigt, wie er sich in einer Situation, mit der er selbst nicht richtig umgehen kann, zu verhalten hat. Über­lassen Sie ihm die Entscheidung, ist er so weit wie zuvor auch. Er muss das Leben in seine eigenen vier Pfoten nehmen, trotz sei­ner Defizite, die zu Verhaltensweisen führen können, die Ihre schlimmsten Erwartungen übertreffen könnten.

Mancher Hundehalter stößt dann an seine eigenen Grenzen, und häufig ist die gesamte Familie kurz davor, das Handtuch zu werfen. Dies würde für den Hund bedeuten, wieder von Hand zu Hand zu wandern – und noch schlechtere Aussichten auf eine Familie, in der er den Platz finden darf, an dem er auf­blühen und im positiven Sinne zeigen kann, was alles in ihm steckt.
Nehmen Sie diese Herausforderung an und ist Ihnen bewusst, dass diese Hunde in be­sonderem Maße ein zuverlässiges Rudelober­haupt brauchen, müssen Sie zwar damit rechnen, dass Ihr Vierbeiner Sie aufs Genau­este überprüfen wird, ob Sie es auch ernst mit ihm meinen.

Lebensqualität besteht für einen Rescue­-Hund nicht nur darin, ein Dach über dem Kopf, ausreichend Zuwendung und täglich einen vollgefüllten Napf vor sich zu haben, sondern vor allem, einen Menschen zu finden, der ihm durch sein artgerechtes Verhalten die Sicherheit bietet, die er dringend braucht, um seine seelischen Schatten hinter sich zu lassen und auf vier Pfoten in ein angstfreies Leben zu gehen.

Einem Rescue-Hund, dem Sie das Leben gerettet haben, wird jedoch den ganzen, gemeinsamen Lebensweg treu zu Ihnen stehen !

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