Kettenhunde legal ?


Ist die Haltung von Kettenhunden in Griechenland legal ? Hinweise zu den Tonnen-Hunden, zur Rechtslage, Maßnahmen gegen die Halter, Verwarnung, Anzeige bei der Polizei und Strafen.

Kettenhunde

Kettenhunde

Tonnen-Hunde

Kettenhunde werden in Griechenland als ‘Barrel Dogs’ (zu Deutsch ‘Fass-Hunde’ oder ‘Tonnen’-Hunde) bezeichnet. Der Name ist sozusagen Programm, denn er definiert genau die Situation dieser Tiere: es sind Hunde, die neben einer Tonne, Fass, selbstgebauten Hundehütte oder ähnlicher Improvisation mitten im Niemandsland angekettet sind.
Wer einmal solch einen ‘Fass-Hund’, Bilder oder ein Video davon gesehen hat, dem fällt es nicht schwer, sich den sich ständig wiederholenden Tagesablauf eines solchen Hundes vorzustellen. Und eines ist sicher, die ‘Fass-Hunde’ verbringen dort zumeist ihr ganzes Leben und sie sind damit wahrscheinlich das größte Problem des Tierschutzes in Griechenland.

Die Haltung eines ‘Fass-Hundes’ mag einem normalen, gebildeten und zivilisierten Menschen wie purer Sadismus vorkommen, sie erfüllen aber ihren Zweck. Ihr ganzes Leben lang angekettet, mit wenig einfacher oder manchmal überhaupt keiner Nahrung und Wasser versorgt, ohne tierärztliche Betreuung und in der Regel mit einem Fass als Zufluchtsort (daher ihr Spitzname), dienen sie als ‘lebende Vogelscheuchen’ und erschrecken die wandernden Herden von Schafen und Ziegen aus den nicht vollkommen umschlossenen Gehegen und offenen Zufahrtswegen, damit diese sich daraus nicht entfernen.

Diese sogenannte ‘Fass-Hunde’ leben, um den Bauern und Hausbesitzern als ‘Vogelscheuchen’ oder ‘Türklingel’ (die sogenannten ‘Klingel-Hunde’) zu dienen, aber alle zu vielen Hunden in Griechenland leben ein gequältes einsames Leben wegen dieser Halter, die nicht verstehen oder sich nicht darum kümmern, dass Tiere Gefühle haben oder durstig und hungrig sind und Nähe und Liebe brauchen.

Hund an der Straße oder am Weg angekettet

Hund an der Straße oder am Weg angekettet statt Gatter oder Viehrost – die ‘bequeme und billige’ Lösung auf Kreta.

Gatter und vernünftige Tore oder Viehrosten im Boden als Lösung scheinen für viele Hirten und Bauern in Griechenland eine unvorstellbare Technik darzustellen. Viel lieber zwingen sie eine arme Kreatur in ein Leben in Ketten, Kummer, Trauer und Leid. Sie sind nur Werkzeuge, die die Bauern einfach ersetzen, wenn sie sterben.
Dann kommt zumeist ein junger Hund wieder an die Stelle seines verendeten Vorgängers und diese Tiere sehen sich nach menschlicher Gesellschaft. Viele von ihnen sterben aber, bevor sie ein oder zwei Jahre alt sind. Diese Hunde sind überglücklich, wenn sie ein freundliches Wort und eine sanfte Berührung erhalten – wie grausam es sein muss, die Hunde am Ende von Ketten bellen, weinen und sich anstrengen zu hören, als ob sie sagen würden: ‘Bitte kommt zurück ! Ich will nur etwas Liebe und Aufmerksamkeit.’

Wenn ihr Kreta oder andere Gegenden in Griechenland besucht, denkt daran, während ihr einem Strand zum nächsten wandert, dass in den dahinter liegenden trockenen, braunen Bergen einsame Seelen gibt, die ein Leben führen, das schlimmer ist, als Ihr es Euch jemals vorstellen könnten.

Hunde sind soziale Wesen, welche gewöhnlich in einer Gruppe – dem Rudel – leben. Dabei ist der Mensch oft der Rudelersatz. Irgendwo einsam dauerhaft angekettete Hunde werden folglich nicht artgerecht gehalten.

Man fragt sich tatsächlich, wie das Gehirn dieser Halter arbeitet und wie eine Regierung funktionieren soll, wenn jemand dies bewusst mit einem Hund machen kann – ohne rechtliche Folgen.

Die Rechtslage

Seit 2012 verbietet europäisches Gesetz die Haltung von ‘Fass-Hunden’ in Griechenland.
Das neue Tierschutz-Gesetz der griechischen Regierung besagt in Artikel 1b:

Das Wohlbefinden eines Tieres ist die Grundlage das Regelwerk, das der Mensch dem Tiere geben muss, in Bezug auf

  • ihren Schutz und ihre gute Behandlung, damit sie nicht leiden und keine Schmerzen haben.
  • Ihre Haltung in einem trockenen und sauberen Raum oder Platz, geschützt vor Witterungseinflüssen, ohne  dauerhaft ‘irgendwo’ angebunden (d.h. im Niemandsland) zu sein und in unangemessenen Räumen oder Gebilden leben zu müssen. Diese dürfen nicht aus ungeeigneten Materialien, wie zum Beispiel Metall sein.
  •  die Bereitstellung von medizinischer Versorgung sowie von Nahrung und Wasser nach ihren Bedürfnissen.
  • ihre tägliche Bewegung oder ein Spaziergang und im Allgemeinen in Bezug auf ihre Pflege und den Respekt ihnen gegenüber durch den Menschen.

Nach Artikel 1 c und d fallen darunter alle Haustiere und Nutztiere, ebenso wie Jagdhunde, Herdenhunde, Wachhunde, Behindertenhunde, Schutzhunde, Suchhunde, Rettungshunde und Hunde der Armee und Sicherheitskräften.

In Artikel 5 1c wird außerdem verlangt, dass der Halter die Vorschriften und Anweisungen zur Verbesserung das Tierwohl nach tierärztlichen Untersuchungen zu befolgen hat, welche durch Vermerke des Tierarztes im Pass des Tieres eingetragen sind. Dazu muß er sicherstellen, dass das Tier bequem, gesund und geeignet untergebracht ist, in der Form wie es von seiner natürlichen Lebensweise her gewöhnt ist. Es muss in natürlicher Weise aufrecht stehen können, ohne in seinem natürlichen Bewegungsablauf beeinträchtigt zu sein. Dazu muss es die Möglichkeit haben, soviel Bewegung zu haben, wie es für die Aufrechterhaltung der Gesundheit und des Wohlbefindens erforderlich ist.

Eindeutig verboten und illegal sind somit zum Beispiel:

  • dauerhaft angekettete Hunde ohne tägliche ungehinderte Bewegung oder Spaziergang (dies muss über eine Dauer von 72 Stunden nachgewiesen werden) und ohne das der Halter der Pflege und dem Respekt gegenüber dem Tier nachkommt.
  • dauerhaft (72 Stunden) im ‘Nirgendwo’ oder ‘Niemandsland’ angekettet gehaltene Hunde (zum Beispiel an Wegen, Straßen, offenen Umzäunungen u.ä.) und selbst wenn dies auf dem Grund und Boden des Halters ist oder der Hund regelmäßig Auslauf hat.
  • ohne richtige, ausreichend große, saubere und wind- und wasserdichte Hundehütte, stattdessen aber Fässer oder sonstige Improvisationen oder überhaupt kein Schutz.
  • mangelhafte Nahrung, kein oder schmutziges Wasser.
  • zu kurz angekettete Hunde (unter 6 Meter).
  • ihre tägliche Bewegung oder ein Spaziergang und im Allgemeinen in Bezug auf ihre Pflege und den Respekt ihnen gegenüber durch den Menschen.
Verstoß gegen Umweltvorschriften

Verstoß gegen Umweltvorschriften (Kreta)

Zahlreiche, nicht weggeräumte Kothaufen im Bereich des angeketteten Hundes können neben dem Tierschutz-Gesetzt auch auf folgender Grundlage angezeigt werden (aktuelle Geldstrafe 100.- €):
VERWEIS VON DER NATIONALE VERSAMMLUNG FÜR UMWELT ZIVILISIERTES UMFELD: Anweisung an die zuständigen Polizeidienste, dass 5 Vergehen strengstens durchgesetzt werden müssen, außer im Falle von Nr, 33 TVIVNOUKONO. Unsere Anordnung, dass im Falle der Feststellung einer selbstverschuldeten Straftat wegen Verstoßes gegen die vorstehenden Bestimmungen, das Verfahren durch Polizei-Offiziere unverzüglich durchgeführt wird. Staatsanwaltschaft Kreta. Etrini K. Chisogini Antisageleas Efetn

 

Weitere Vergehen, welche aber alleinstehend für eine Anzeige bei der Polizei in der Regel nicht ausreichend sind oder vor Ort nur schwer überprüft werden können, aber im Zusammenhang mit vorweg genannten Punkten das Strafmaß durchaus erhöhen können:

  • fehlender Identifikations-Chip mit registriertem Halter.
  • fehlender europäischer Haustier-Ausweis mit den durch einen Tierarzt eingetragenen, gültigen Schutzimpfungen.

Maßnahmen gegen Halter von Kettenhunden

verletzter Kettenhund

Ein trotz Verletzungen in der Sonne dahinvegetierender Kettenhund ist ein klarer Vorstoß des Tierschutzgesetzes.

Um den Druck auf die Halter dieser Kettenhunde aufrechtzuerhalten, ist es
a) sinnvoll diese im Tierschutz-Reportmit Fotos und genauen Koordinaten (z.B. von Google Map) zu melden (oder auf Animal Welfare Report Crete)
b) und in eindeutigen oder dringenden Fällen umgehend bei der nächsten Polizeistation (in Notfällen 100 anrufen) anzuzeigen. Grundsätzlich ist es besser, einmal zuviel etwas zu unternehmen, als – wie leider die meisten – gar nichts und nur zuzusehen.

 

Auf der griechischen Insel Lesbos gibt es sogar eine ‘Hunde-Polizei’, welche Du hier oder über Facebook Canilos kontaktieren kannst.

Nur ein andauernder Druck auf die Halter wird an der Situation für Kettenhunde etwas ändern !

Verwarnung des Halters:

Verwarnung Kettenhund

Bei jämmerlich untergebrachten Kettenhunden befestigte Verwarnung mit den Hinweispapieren über Pflichten und Konsquenzen für den Halter.

Wenn Du den Halter des Kettenhundes auf seine Pflichten hinweisen möchtest, kannst Du folgendes Dokument in griechischer Sprache (es ist nur die erste Seite mit den Symbolen notwendig, die zweite Seite enthält nur Hinweise für kostengünstige Impfung und Kastration auf der Insel Lesbos) ausdrucken und am Ort des Hundes befestigen:

 

Hinweise zur artgerechten Haltung von Hunden

Um den Halter eine Anzeige bei der Polizei anzudrohen, gibt es ein weiteres Dokument. Für diese Maßnahme müsstest Du aber noch einige Zeit vor Ort sein – oder Du mußt sofort alles (mit Drohung der Anzeige) anbringen .
Teil I (erste Seite) ist die erste Warnstufe mit der Forderung zur Verbesserung der Lebensbedingungen des Hundes. Hat sich einige Wochen später keine Verbesserung vor Ort eingestellt, solltest Du Teil II (zweite und dritte Seite) anbringen.

Warnung und Strafandrohung

Erfolgt einige Zeit später immer noch keine Reaktion durch den Halter, solltest Du die Polizei einschalten.
Solltest Du nicht lange genug vor Ort sein und die Sachlage eindeutig sein, kannst Du auch sofort die Polizei benachrichtigen.

Es besteht aber auch noch die Möglichkeit zusätzlich das griechische Ministerium für Tourismus über alle misshandelten oder mangelhaft gehaltenen Tiere zu informieren. Fülle dazu das offizielle Beschwerde-Formular (wegen ‘Animals Treatment’) aus und schicke die Beschwerde an das griechische Tourismus-Ministerium, am besten zusammen mit Fotos und der genauen Ortsangabe.
E-Mail-Adressen:
[email protected]
[email protected]
[email protected]
[email protected]
Postanschrift:
The Greek Tourism Organisation (EOT)
Dept of Complaints and Consumer Protection An. Tsocha 24 & Soutsou
Ambelokipi
11521 Athens
Greece
oder kontaktiere die G.T.O auf Facebook:
https://www.facebook.com/visitgreecegr
oder über Twitter:
@VisitGreecegr

Anzeige bei der Polizei

Sind die zuvor beschriebenen Maßnahmen fruchtlos oder nicht möglich, so gib eine Anzeige bei einer nahen Polizeistation auf. Sollte eine größere Stadt oder Ortschaft in der Nähe sein, gib Deine Anzeige dort auf, da die Erfolgswahrscheinlichkeit und Fremdsprachen-Kenntnis der Polizisten dort besser sind.

Google Map Koordinaten

Google Map Koordinaten: Der Browser-Link der Position kann kopiert werden (rot umrandet) und die Koordinaten der angeklickten Position auf der Karte werden oben links angezeigt (violett umrandet).

Für die Anzeige solltest Du Fotos oder Videos vom Zustand und Haltung des Hundes – wenn möglich über den gesamten Beobachtungszeitraum und mit Datum und Uhrzeit darauf – vorlegen und den genauen Ort – am besten mit Koordinaten, z.B. aus Google Maps, angeben können. Achte darauf, dass keine Personen, Haus- und Straßennamen auf den Bildern vorhanden sind, da dies gegen Datenschutzbestimmungen und Persönlichkeitsrechte verstoßen kann.

 

Lege auf der Polizeiwache die griechische Kopie der Regierungsanweisung vor, welche die Polizei beauftragt, derartige Beschwerden aufzunehmen und nachzugehen, sowie einen schriftlichen Nachweis der getroffenen Maßnahmen anzufertigen. Die englischsprachige Übersetzung ist hier zu lesen.

Für Anzeigen bei der Polizei wegen Verstößen gegen das griechische Tierschutz-Gesetz wird nicht die übliche ‘Anzeigen-Gebühr’ fällig. Die Polizei hat Straftaten gegen Tiere von Amts wegen zu verfolgen !

Bitte bleib höflich, aber hartnäckig gegenüber behördlichen Vertretern oder der Polizei. Beleidigungen oder die Verwendung von Schimpfwörtern ist in Griechenland eine Straftat, was zur sofortigen Verhaftung führen kann, insbesondere bei unpopulären Anliegen. Deshalb immer freundlich und höflich bleiben, egal wie schwer dies fällt.

Strafen

Tiermissbrauch

Tiermissbrauch, passiv oder aktiv, ist eine schwere Straftat … Lernen Sie, was Sie erwartet … 1-5 Jahre Haft und eine Geldstrafe von bis zu 15.000 €; Gesetz 4039/12

Strafverfahren dauern in Griechenland leider viele Jahre und wesentlich länger als in Deutschland oder Großbritannien.
Die Polizei verhängt jedoch umgehend fällig werdende Geldstrafen, wenn nach der Aufnahme des Falles vor Ort Verstöße gegen das Tierschutz-Gesetz festgestellt werden. Bei schweren Verstößen oder in Notfällen (z.B. bei kranken oder verletzten Tieren) können diese aber auch sofort weggenommen und anschließend adoptiert werden.

Die Strafen sind unter anderem (die einzelnen Beträge unterliegen aber ständigen Anpassungen):

  • Fehlen eines Zertifikates zur elektronischen Identifikation/Chip: 300 €
  • Fehlen des Mikrochips und der Registrierung des Halters: 300 €
  • Vergehen gegen Regelung zum Wohlbefinden des Tieres oder Verweigern des Tierarztes: 300 €
  • Aussetzen von Haustieren: 300 €
  • Keine Metallmarke mit Schutzimpfungs-Datum am Tier: 100 €
  • Keine Säuberung der Umgebung des Tieres von Kot: 100 €
  • Fehlen des Tier-Passes bzw. Gesundheitsbuch oder Verstoß gegen die Tierschutz-Bestimmungen: 300 €
  • Weiterfahrt nach dem Anfahren eines Tieres auf der Straße: 300 €
  • Tierquälerei oder Missbrauch: 30.000 €
Gerettete Kettenhunde

Zwei der zuvor auf den Bildern zu sehen gewesenen Kettenhunde konnten von einem aufmerksamen Tierfreund gerettet werden und leben nun glücklich bei ihm zu Hause.

Rechtlich verbindlich verhängte Strafen – was leider dauern kann – können auch zur Wegnahme des Tieres führen und schwerere Vergehen zu Freiheitsstrafen. Wird zum Beispiel eine Tierquälerei angezeigt, dokumentiert und der Täter kann schnell ergriffen werden, so kann derjenige, welcher die Anzeige aufgibt, seine sofortige Verhaftung beantragen.


Hinweis: Da ich kein Anwalt bin, handelt es sich bei den vorausgegangenen Ausführungen um das Ergebnis meiner persönlichen Recherchen, Meinung und meine eigenen Erfahrungen. Es handelt sich nicht um eine Rechtsberatung.


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