Hunde des Südens

Die Hundetypen in den südlichen Mittelmeer-Ländern.
Vom Klingelhund über den Wachhund, Jagdhunde-Rassen, Herdenhunden bis zu den Tonnen-Hunden, Streunern und Straßenhunden.

 Gruppe kretischer Hunde
Eine Gruppe kretischer Hunde: vorne zwei Jagdhunde-Welpen (Cretan Cross und Pointer Cross) mit einem Jagd- und Hütehund und hinten ein typischer ‚Klingelhund‘.

Hunde des Südens

Im Süden hatten die Hunde in der Vergangenheit und die meisten auch noch immer heute eine Aufgabe. Ein Hund, der seinen ‚Job‘ nicht gut erledigt, ist eben sein Futter nicht wert.
Diese Mentalität ändert sich nur langsam und erst die jüngere Generation und einige andere Tierliebhaber verstehen Hunde auch als Teil der Gesellschaft und Begleiter im Leben.

Klingelhunde

Der als Erstes besonders auffallende Hundetyp in den südlichen Mittelmeer-Ländern ist der sogenannte Klingelhund. Es sind zumeist kleinere Terrier-Mischlinge in allen Varianten und Farben und sie gehören nicht unbedingt zu den schönsten Prachtexemplaren einer Hundeausstellung.

Häufig findet man sie auf dem Land und vor den Häusern und sie halten sich oft auch zu mehreren zumeist im Vorhof oder Vorgarten auf. Ihre Aufgabe ist einfach und geht schon aus ihrem Namen ‚Klingelhund‘ hervor: sobald jemand das Grundstück betritt, machen sie einen unbeschreiblichen Lärm mit ihrem Gebell, Gesang und Geheule um die Bewohner auf den Ankömmling aufmerksam zu machen. Somit ersetzen sie im wahrsten Sinne des Wortes die Klingel am Haus.

Klingelhund
Der typische ‚Klingelhund‘ ersetzt die Klingel beim Eintreffen von Besuchern, ist aber sonst gesellig, freundlich und lustig.

Dazu entsorgen diese Klingelhunde auch das Ungeziefer bis zu Ratten in und um das Haus herum, welche gerade im Süden häufig auftreten. Mit ihrem Jagdgeschick auf diese kleinen unwillkommenen Gesellen und ihrem Warngeheul bei Ankunft eines Besuchers sind sie der vorherrschende Hundetyp für den Hausgebrauch im Süden.

 

Es sind zumeist sehr lustige, schlaue und gegenüber dem Menschen sehr zugetane Hunde, die genau wissen, dass ihre Aufgabe nur Alarm zu schlagen ist, aber niemals aggressiv gegenüber Besuchern werden. Sobald der Hausherr erschienen ist, endet ihr Geschrei und sie freuen sich über jeden Ankömmling.

In diesem Video übernimmt das ganze Rudel – egal ob Klingelhund, Jagdhund oder Hütehund – die Aufgabe, auf Besucher aufmerksam zu machen:

Wachhunde

Wachhund
Hier wird ein Schäferhund unter unzulässigen Bedingungen als Wachhund missbraucht.

Als Wachhunde werden oft Rottweiler und Schäferhunde eingesetzt, aber es gibt auch jeweils eine Reihe von landestypischen Mischungen.
Diese Hunde verstehen zumeist wenig Spaß und werden oft Behandlungen unterzogen, die sie noch aggressiver machen.

 

Auch wurden sie in der Vergangenheit für ihre Aufgabe bei der Zucht selektiert, sodass oft nur die aggressivsten unter ihnen Nachwuchs bekommen durften.

In den ärmeren, südlicheren Mittelmeer-Gebieten galt seit jeher das Gebot, möglichst wenig Zeit und überhaupt keine Kosten in die Ausbildung eines Hundes stecken zu müssen, sodass ein Hund, welcher von Natur aus schon für seine Aufgabe geeignet war, der Beste ist.

Jagdhunde

Jagdgebiete Agios Nikolaos
In der Region um Agios Nikolaos auf Kreta darf zum Beispiel fast überall, mit Ausnahme der gelb eingerahmten Gebiete, gejagt werden.

In den südlichen Regionen von Europa wird häufig gejagt. Auf Kreta zum Beispiel beginnt in der Regel die Jagdsaison ab Ende August und dauert bis Ende Februar an. In dieser Zeit kann mit Jagdschein oder auch illegal ohne, so ziemlich alles und nahezu überall gejagt und Wild erlegt werden.

 

Tatsächlich sind die meisten lokalen Rassen somit Jagdhunde. Sie werden zahlreich – auch illegal – gezüchtet und die weniger geeigneten ‚aussortiert‘.

Als Jagdhunde gibt es neben den seltenen Apportierhunden vor allem Stöberhunde, Vorstehhunde und Rassen wie Windhunde, Terrier und Mischlinge, die die verschiedenen Aufgaben in sich vereinigen.
Die Jäger verwenden natürlich nur Hunde, die sie unter den jeweiligen Gegebenheiten gebrauchen können. Auf Kreta wird viel mit der Schrotflinte gejagt, deshalb sind Hunde, welche das Wild hetzen und töten sollen, eher selten.

Pointer-Cross-Varianten Kreta
Pointer-Cross-Varianten sind auf Kreta beliebte Jagdhunde mit gutem Spürsinn und starkem Jagdinstinkt.

Windhunde treten vor allem in Spanien auf, wo sie das Wild bei Erkennen sofort mit ihrer hohen Geschwindigkeit und starkem Beutetrieb jagen und zur Strecke bringen sollen.
Terrier-Rassen dagegen werden auf keinere Beutetiere angesetzt. Auf Kreta sind dies vor allem Vogelarten, aber auch Wildkaninchen, Feldhasen und Steinmarder.

Die Liste der zum Abschuss freigegebenen Vogelarten umfasst die Feldlerche, Ringeltaube, Felsentaube, Wachtel, Turteltaube, Singdrossel, Echte Drossel, Rotdrossel, Wacholderdrossel, Amsel, Elster, Dohle, Aaskrähe, Star, Waldschnepfe, Fasan, Steinhuhn und das Chukarhuhn.
In ganz Griechenland können außerdem auch Wildschweine, der Rotfuchs, die Pfeifenente, Stockente, Spießente, Knäkente, Löffelente, Tafelente, Reiherente, Blässhuhn, Schnatterente, Blässgans, Teichralle, Bekassine und der Kiebitz gejagt werden.

Jagdhunde haben Fährte aufgenommen
Diese zwei typischen Jagdhunde haben eine Fährte aufgenommen und folgen dieser nun mit der Nase auf dem Boden.

Dazu sollen die kleineren Jagd-Terrier auch noch Ungeziefer und Mäuse und Ratten fangen. Diese Hunde werden auch nicht groß angelernt, sie sollen nur flink sein und alles schnappen. Dies erlernen sie ganz natürlich von den größeren Artgenossen.

 

Die Stöberhunde oder Vorstehhunde sollen das Wild finden und aufscheuchen, bevor es vom Jäger geschossen wird. Dazu haben sie einen sehr guten Riechsinn mit Spürfähigkeiten und ihre Nasen sind fast die gesamte Zeit über auf dem Boden. Auch hier erfolgt oft eine starke Zuchtauswahl.

zahlreiche Welpen
Mangelnde Sterilisation und Kastration resultiert in zahlreichen Welpen.

Apportierhunde sind im Süden selten, da ihre Ausbildung für die lokalen Jäger zu aufwendig ist und man lieber einfache Jagdhunde mit kaum oder überhaupt keiner Ausbildung einsetzt.
Deshalb werden Jagdhunde oft im Übermaß gezüchtet und wer keinen großen Erfolg hat, wird einfach ausgesetzt oder getötet. Ausbildung zur Verbesserung ihrer Leistung findet so gut wie überhaupt nicht statt und kein Jäger will sich erfolglose Jagdhunde leisten, was das Elend von vielen dieser Hunde ist.

 

Wertlose Hunde will im Süden kaum einer halten, wenn sich dies auch gerade in den Städten und größeren Ortschaften zu ändern beginnt. Eine ähnliche Einstellung findet man aber auch ebenfalls noch in weiter abgelegenen, ländlichen Regionen in Mittel-, West- und Nordeuropa vor.

Herdenhunde

schöner kretischer Hütehund
Ein schöner kretischer Hütehund im Schnee, der darin ausgebildet wurde, Schafe zusammenzuhalten, aber auch als Jagdhund auftritt.

Herdenschutzhunde und Hütehunde werden von den zahlreichen Schäfern gehalten und gezüchtet. Hütehunde sind relativ selten, da sie eine gute Ausbildung brauchen, um Ziegen und Schafe in einer Herde zusammenzuhalten oder von einer Weide zur nächsten zu treiben.
Dies sind zumeist schnelle, leichte und wendige Hunde, die gelernt haben mit den Nutztieren und auch ihren Menschen umzugehen. Da ihre Ausbildung zeitaufwendig ist, findet man sie leider ebenfalls nur selten.

 

Dieser Herdenschutzhund bewachte hier nur vorübergehend ein Schafsgatter und stellte sich als agressiv gegenüber anderen Hunden und scheu gegenüber Menschen heraus.

Dagegen sind Herdenschutzhunde größer, kräftig und nicht gerade der Liebling von Tante Emma. Sie verteidigen die Nutztiere gegen Raubtiere, streunende Hunde und Viehdiebe.
Wie bei Wachhunden ist ihre Aggressionsschwelle sehr niedrig und daran später noch etwas zu ändern, ist sehr schwierig.

Dazu gibt es noch Mischlinge aus den Rassen für Herdenschutz- und Wachhunden. Sie erfüllen beide Aufgaben gleichzeitig und sind daher beliebt, da günstig in Anschaffung und Haltung.

Tonnen-Hunde

Hund an der Straße oder am Weg angekettet
Alle Arten von Hunden werden an Wegen oder offenen Gattern angekettet, um Schafe und Ziegen vom Passieren abzuhalten.

Die mit dem Spitznamen Tonnen-Hunde belegten Hunde sind die als Kettenhunde am erbärmlichsten gehaltenen Tiere im Süden. Sie werden gewöhnlich ihr ganzes, kurzes Leben an einem offenen Gatter oder Weg angebunden, um Schafe und Ziegen am Verlassen des Grundstücks zu hindern.
Sie sind das größte Tierschutz-Problem im Süden und verdienen daher einen besonderen Artikel: Kettenhunde legal ?.

Streuner

Hier belästigt ein Streuner-Rüde, der zwar ein Zuhause hat, aber von Herrchen täglich auf die Straße geschickt wird, eine Terrier-Dame auf Spaziergang.

Das Wort ‚Streuner‘ wird eher humorvoll verwendet und dieser Typ unterscheidet sich auch deutlich vom ‚Straßenhund‘. Streuner verbringen den Großteil ihrer Zeit auf den Straßen oder in der Natur. Oft haben sie sogar einen Besitzer oder hatten zumindest einen gehabt, bevor sie ausgesetzt wurden.

 

Streuner gibt es überall im Mittelmeer-Raum und viele davon haben mehr oder weniger ein Zuhause oder eine Anlaufstelle, wo sie schlafen können oder gefüttert werden. Tagsüber sind sie überall in der Umgebung unterwegs, schauen sich nach Futterresten um, gammeln herum oder warten so, was sich ergibt.

Ebenso wie für Straßenhunde ist es wichtig für sie, Fremden nicht zu nahezukommen. Da sie aber zuvor mit Menschen zusammengelebt hatten oder als Welpen ausgesetzt wurden, wobei ihre Eltern ebenfalls Kontakt mit dem Mensch hatten, ist es meist möglich, sie wieder ohne große Eingewöhnung als Haushunde verwenden zu können.

Streuner sind im Gegensatz zu echten Straßenhunden aufgrund ihrer Vererbung besser geeignet, mit dem Menschen zusammenzuleben und stellen neben ausgesetzten Welpen den Großteil der Tierschutz-Hunde aus dem Süden, welche adoptiert werden können.
Viele dieser Hunde werden sogar überglücklich sein, wenn sie wieder ‚ihren‘ Menschen finden. Wenn aber die schlechten Erfahrungen des Hundes dominieren, kann es Jahre dauern, bis sie ihre Angst richtig überwunden haben.
Auch haben ‚echte‘ Streuner einen großen Freiheitsdrang und müssen geistig gefordert werden, was bei einer Adoption zu berücksichtigen gilt.

Straßenhunde

Straßenhunde
Eine Gruppe von Straßenhunden.

Als ‚Straßenhunde‘ werden alle ‚wilden‘ Hunde bezeichnet, die es nicht gewohnt sind, mit Menschen zusammenzuleben. Sie kommen in den Bergen ebenso wie auf Müllhalden oder in der Stadt vor.
Sie werden nicht gerne gesehen und oft von Schäfern geschossen oder vergiftet, in der Stadt eingefangen und irgendwo weggesperrt.

 

Oft wurden diese Hunde schon in die Freiheit hinein geboren und führen einen harten Überlebenskampf, bei dem sie neue Welpen aufziehen. Oft ist ihre Lebenserwartung nur gering, weshalb diese natürliche Selektion nur die Besten der Besten sich fortpflanzen lässt.

Straßenhunde werden im Süden bestenfalls geduldet, solange sie nicht stören oder als zu gefährlich erscheinen. Also besser klein, unaufdringlich, Abstand halten und auf keinen Fall als gefährlich oder aggressiv erscheinen.
Sie tauchen in Dörfern, Städten, Hotelanlagen und am Strand auf. Vor allem dort, wo es irgendwo Nahrung gibt oder sie gefüttert werden.

Es gibt auch ganze Rudel aus Straßenhunden. Auch diese werden nicht gesehen, da viele der gerade älteren Einheimischen generell Angst vor jedem Hund auf der Straße haben und viele Touristen sich davon kaum unterscheiden. Die Verantwortung bei Unfällen mit oder durch diese Hunde trägt auch die jeweilige Gemeinde, der die Straßenhunde oder heimatlosen Streuner offiziell gehören.

Die scheusten Straßenhunde haben die höchste Lebenserwartung, weshalb nach Generationen diese Hunde nur schwer an einen engen Kontakt mit dem Menschen gewöhnt werden können. Auch sind sie gewöhnlich nur auf andere Hunde sozialisiert und nicht auf den Menschen.

Leben von Chelsea
Links zwei typische ‚Klingelhunde‘ hinter dem schwarzen Hüte- und Jagdhund, rechts ein weißer Jagd-Terrier.

Straßenhunde, welche jedoch über einen längeren Zeitraum von den Einwohnern der Stadt oder von Gästen an den Touristenzentren gefüttert wurden, werden aber zunehmen zahmer und weniger scheu gegenüber dem Menschen.
Manchmal werden sie sogar direkt von einem Gast der Hotelanlage adoptiert und mit in sein Heimatland genommen.

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